Monkey Mind

July 10, 2016

 

 

Wenn ich Menschen begegne auf der Strasse, die mich auf Meditation ansprechen, ist ganz oft eine der ersten Aussagen:

 

"Ich kann das nicht, ich kann nicht aufhören zu denken!"

 

Ganz viele wagen sich nicht in ihre erste Meditations-Stunde, weil sie von sich erwarten, dass sie dann da schon ganz lange, ohne etwas zu tun, oder eben, ohne etwas zu denken dasitzen sollen.

 

Und das können sie nicht.

 

Kann niemand.

 

Ich glaube, solange unsere Synapsen im Hirn feuern, das heisst, solange Blut durch unseren Körper rauscht, denken wir. Es geht nicht anders.

 

Die grosse Frage ist, wie gehen wir mit dem gedachten um? Nehme ich wirklich jeden Vorschlag meines Hirns ernst, der in den Vordergrund rückt? Glaube ich mir selbst jeden Gedanken? Unser Hirn denkt ständig. Die Konditionierung unseres Unterbewusstseins filtert vielleicht, was mehr im Vordergrund ist. Gute Gedanken, liebevolle. Selbstzerstörerische, wütige... Was auch immer. Oft jedoch sind unsere Gedanken auch beeinflusst von unserer Umgebung. Wir sind am einem Ort, wo gerade gestritten wurde, und fühlen plötzlich selber Wut. Oder kommen an ein Unglück und steigen in die Trauer ein. Jeden dieser Gedanken machen wir sofort zu unserem Eigenen, ohne zu prüfen, ob es denn jetzt gerade für mich nützlich ist, in diese Gedanken oder Emotionen auch wirklich einzusteigen.

 

Als ich in einem längeren Retreat mit einem Buddhistischen Mönch war, war ich unheimlich überrascht, dass ich plötzlich mehrere Gedankenstränge gleichzeitig wahrnehmen kann. Ich zählte vier. Vier Gedankenstränge, die gleichzeitig laufen. Ich war unheimlich fasziniert. Selbstverständlich erzählte ich ihm davon, und er lächelte nur. Er meinte, er persönlich habe bis zu 14 gleichzeitige Stränge gezählt. Aber in Wirklichkeit seien es unendlich.

 

Bei mir hat dieses Erlebnis ein unhemilches AHA ausgelöst. Wenn also, wie auf einem Güterbahnhof, wo ständig Züge vorbei fahren, fortwährend Gedanken rauschen, selbstverständlich kann ich dann wählen, auf welchen, dieser Gedankenzüge ich aufspringen mag. Und die anderen, die mir nicht so gefallen, die lasse ich eben ganz einfach vorbei rauschen.

 

So ist das Training der Meditation für mich vor allem auch Gedankenhygiene. Ich bin mir meiner Gedanken bewusst, und entscheide, ob ich diesen soeben erschienen Strang zuende denken mag, ihm also mehr Energie geben, oder ob ich mich anders entscheide.

 

Gleichmut ist das Resultat. Und das Wissen, dass ich immer die Wahl habe, mich in eine Emotion, oder einen Gedanken zu investieren, oder nicht. Wenn ich mich dagegen entscheide, kommt der nächste ohnehin gleich um die Ecke.

 

Was wir also trainieren in der Meditation ist unter Anderem der Umgang mit Gedanken und Emotionen. Das gleichmütige vorbei ziehen lassen, dank der Erkenntnis, dass ich nicht jeden meiner Gedanken tatsächlich auch zu meinem eigenen machen muss.

 

Wir geben dem Hirn zu tun in den Anfängen der Meditationspraxis, damit es weiss, wohin es den Fokus legen soll. Und unser System dankt es uns, in dem es sich beruhigt, und das Karussel für eine Weile dreht, ohne die Musik so unglaublich laut aufgedreht zu haben.

 

Dieser wundervolle Mönch in diesem Video erklärt dies mit ganz einfachen Worten, viel Humor und Charme... 

 

 

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